Musik für dunkle Stunden

Gesaffelstein – Aleph

Gesaffelstein – Aleph

Der gutaussehende Franzose im Anzug, dessen Musik ganz und gar nicht nach der feinen französischen Art klingt und sich nicht in die typische Pariser Technoszene um Etienne des Crécy, Surkin & Co einordnen lässt: Gesaffelstein. Der „Dark Techno Prinz“. Wohl elegantester DJ seit es Clubs gibt. Frauenheld. Herzensbrecher. Hach. Seit seiner „Variations„-EP ist er mit seinem unverkennbaren Sound in aller Munde und setzt immer wieder einen drauf: mit immer erfolgreicheren Tracks, bekannteren Remixen (Lana Del Reys „Blue Jeans„), nicht zuletzt dem beeindruckenden Video zu „Puirsuit“ und der Co-Produktion des neuen Kanye West-Albums. Nun ist am Montag Gesaffelsteins Debütalbum „Aleph“ auf Bromance erschienen. Kein Wunder, dass dies wahrscheinlich der am meisten gehypte Techno-Record der nächsten Zeit sein wird.

Zuvor wurden lediglich die Tracks „Puirsuit“ und „Hate Or Glory“ veröffentlicht, die beide Gesaffelsteins typische Handschrift aus schweren, rasselnd-hallenden Technobeats aufweisen. Umso erstaunter war ich, als ich das erste Mal das gesamte Album durchhörte. Gesaffelstein verbindet darin so viele neue Klänge und Stile, die niemals zuvor in seinem Repertoire zu hören waren, dass man bei jedem Track gespannt sein kann, was einen erwartet.

Zum Einen entdeckt der Franzose die Wirkung von melodischen und ruhigen – aber keinesfalls entspannten – Stimmungen. Er setzt auf dunklen, wobbelnd-träumerischen Electro in „Nameless“, auf choristische Vocals in „Aleph“ oder wie in „Wall Of Memories“ auf dahingeklimperte, sanfte Melodien, die allerdings getragen sind von Beats, die so gefährlich schnurren wie Löwinnen. So ganz verliert Gesaffelstein aber nie seinen alten Charme: „Destination“ brilliert mit dem tiefen, sexy Techno-Touch, der so charakteristisch für ihn ist; und auch in „Obsession“ ist sein Stil sofort wiederzuerkennen.

Zum Anderen gibt es Tracks, die vollkommen überraschen: Hip-Hop-Beats in „Hellifornia“ oder das regelrechte Hardcore-Tempo in „Duel“. In „Piece Of Future“ schlagen einem nicht nur atmosphärische, schwere Schleier entgegen, sondern auch noch DnB-Beats. Und „Out Of Line“ setzt auf eine explosive Mischung aus Kirchengeläut und Trommeln. All das erwartet man eigentlich nicht, wenn man den Namen „Gesaffelstein“ hört.

“The main idea of the album was to translate different styles with just one sound. It was really hard to do that. It’s exactly the same when you see a guy – he’s one guy but he can have several different emotions. That’s the best way to explain it.” – Gesaffelstein in Mixmag

„Aleph“ kombiniert Old-School-G-Funk mit Ambient und getriebene Basslines mit atmosphärischen Synthies. Was die Tracks dabei verbindet, ist die durchgehende Düsterkeit von Gesaffelsteins Technomusik. Er lässt trotz der stilistischen Vielfalt seine Wiedererkennungswertkriterien nicht außer Acht. Zwar verliert er sich teilweise noch zu sehr in seinen neuen Ideen, wirkt mal repititiv, mal einen Ticken zu kurz, mal etwas eingerostet – aber mit „Aleph“ zeigt der Technoprinz, dass er erwachsener geworden ist, und sich nun für Erfahrungen abseits einer peitschenden Kickdrum geöffnet hat.
Streamen könnt ihr das Ding über Pitchfork Advance HIER. Oder hier auch gleich kaufen.

Last but not least: Ein Tipp an alle, die Gesaffelstein gern in Aktion erleben würden: Am 22. November spielt er im Club Gretchen Berlin!

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